Projekt mobile Datenerfassung

Seit 2013 entwickeln und betreuen wir für den Erdbeerhof Glantz in Delingsdorf und Hohen Wieschendorf eine Lösung zur mobilen Datenerfassung, Auswertung und Schnittstellen an die vorhandenen Systeme.

Bei diesem Kunden handelt es sich um ein Unternehmen, welches sich seit über 300 Jahren mit der Agrarwirtschaft beschäftigt. Hauptsächlich werden verschiedenste Erdbeersorten angebaut und kultiviert. Mit der Zeit sind unter anderem auch Himbeeren, Spargel und Blumen genauso wie Weihnachtsbäume mit in das Geschäftsmodell eingeflossen. Dieses Modell, vom Erzeuger bis zum Endkunden, ist in dieser Größenordnung selten. Daher nimmt der Erdbeerhof Glantz hier eine führende Stellung ein. Diese Direktvermarktung an den Endkunden findet über Erdbeerstände statt. Hierbei handelt es sich um kleine 6 m² große Verkaufspavillons , die einer Erdbeere nachempfunden sind. Da es sich um ein Saisongeschäft handelt, sind diese Verkaufspavillons nicht ganzjährig aufgebaut, sondern werden zu Saisonbeginn sukzessiv an definierten Plätzen aufgestellt und eingerichtet, sowie zum Saisonende wieder abgebaut. Während der Saison müssen die Stände kontinuierlich mit frischer Ware beliefert und auftretende Probleme oder Unannehmlichkeiten gelöst werden. In der Hauptphase sind bis zu 160 Verkaufsstände plus 20 Streckenpartner im Großraum Hamburg sowie 100 Verkaufsstände am zweiten Standort in Hohen Wieschendorf geöffnet. Diese werden täglich mehrfach beliefert und betreut. Insgesamt vermarktet der Erdbeerhof Glantz in 6 Bundesländer.

Das System kennt vier Typen von Anwendern: Verkäufer, Fahrer (Lieferanten), Standbetreuer und Backoffice, die hier nur punktuell beschrieben werden.

Nokia C1 Java ME ApplikationVerkäufer sind nur an einem Stand pro Tag aktiv und setzen den Abverkauf um. Sie müssen mehrmals am Tag den Bestand übermitteln. Als Eingabegeräte sind hier Nokia C1 und vergleichbare Feature Phones im Einsatz. Es wurde viel Wert darauf gelegt, fehlerhafte Eingaben zu verhindern indem sehr prozessorientierte Workflow UIs entwickelt wurden. Auch ist eine Nutzung mit stark fluktuierendem Netz sowie ein möglichst geringes Trafficaufkommen Voraussetzung gewesen. Beide Anforderungen wurden durch dynamische thresholdbasierende persistente Queues erfüllt.

Fahrer beliefern mehrfach täglich über festgelegte Touren die Stände. Auch sie müssen an jedem Stand den aktuellen Bestand sowie die Liefermenge übergeben. Hier kommen Android Smartphones zum Einsatz. Ein Hotspot in diesem Bereich ist die korrekte Erfassung von Querlieferungen. Dies ist eine Entnahme an Stand A und eine Auslieferung von dieser Entnahme an Stand B auf der selben Tour. Dies wurde für den Fahrer ersichtlich, von der normalen Lieferung getrennt dargestellt, implementiert und wird auch gesondert im System verbucht.

Standbetreuer besuchen Stände mindestens alle 3 Tage. Sie analysieren und bewerten die aktuelle Marktsituation, Preise und den Wettbewerb. Neben der zusätzlichen Bestandserfassung nehmen Sie Schäden an der Hütte, notwendiges Verbrauchsmaterial und persönliche Themen des Verkäufers auf. Ein Pflichtfoto finalisiert den Besuch. Die hier hauptsächlich im Einsatz befindlichen iPads verwenden eine mobil optimierte Webapplikation.

Im Backoffice werden alle erfassten Daten ausgewertet. Dabei ist es durch multiple Ansichten, Reporte und Filter möglich, Unzulänglichkeiten aufzudecken, beispielsweise ungeöffnete Stände, ausstehende Lieferungen oder unterschreiten von Mindestbeständen. Weitere Funktionen sind Übersichten, Stammdatenverwaltung oder Routenplanung, um nur einige zu nennen.

Die gesamte Applikationssuite wurde in Java implementiert. Beginnend bei Java 2 ME mit der CLDC Version 1.1 und MIDP Version 2.0 für die Nokia Feature Phones über Andorid Version 2.3.3 API Level 10 bis zur Webapplikation und Serversemantik im Java EE 7 Rahmen. Dazu gehören unter anderem RESTfull XML/JSON Schnittstellen für die mobilen Endgeräte sowie eine Zeit und Event gesteuerte Mailschnittstelle. Neben der Anbindung vorhandener Systeme über dokumentierte Schnittstellen war eine besondere Herausforderung die Integration einer MS Access Applikation. Auch dies konnte erfolgreich umgesetzt werden.

Einige Frameworks, Bibliotheken und Werkzeuge, die für die Entwicklung von besonderer Bedeutung waren und sind, haben wir hier kurz aufgelistet:

 

Das System befindet sich seit Frühjahr 2014 erfolgreich im Produktivbetrieb. Ein hochmoderner Continuous Deployment Prozess erlaubt die Implementation von neuen Features in weniger als 24 Stunden, was ein besonders wertvoller Faktor für ein Saisongeschäft ist.